Die Michaelskapelle

 

Als die Gemeinde Vlatten vor vielen hundert Jahren zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein Heiligtum errichten wollte, ärgerte sich der Teufel über alle Maßen ob dieses Planes und beschloß, dieses fromme Werk empfindlich zu stören, ja, wenn es ihm gelingen sollte, es sogar unmöglich zu machen. Niemand aber sollte vor und auch nicht nach der Tat erfahren, dass er diesen Plan gefasst hatte. Darum dachte er sich aus, sein Vorhaben während eines Gewitters auszuführen, um dadurch den Anschein zu erwecken, dass ein Blitzschlag den Bau niedergeworfen habe.

 

Nun war gerade die Zeit, in der die Errichtung der Kapelle in vollem Gange war, und Arbeiter und Maurer ihr Bestes taten zur Ehre von St. Michael. Da zog von der Eifel, aus Richtung Hergarten, eine schwere schwarze Wetterwand herauf, und schon frohlockte der Fürst der Hölle, dass seine Stunde eher gekommen sei, als er zu hoffen gewagt hatte. Eiligst nämlich verließen die Männer die Baustelle, um in den nahegelegenen Häusern vor dem drohenden Unwetter Schutz zu suchen. Als das Blitzen und Donnern seinen schier vernichtenden Höhepunkt gefunden hatte, da nahte der Teufel, um seine düsteren Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzen.

 

Heimlich kletterte der den Berg hinauf und stieg behende in den noch nicht vollendeten Bau. Gerade wollte er sich anschicken, die Mauern einzudrücken und mit gewaltigem Schwung die Steine ins Tal zu rollen, da erfüllte ein ohrenbetäubender Donnerschlag die Luft, so dass selbst der Teufel aufschaute. Es wurde im Augenblick so hell, dass jeder geblendet war und alles in der Umgebung schien, als wäre es in lautes Feuer und gleißendes Licht getaucht.

 

Erschrocken schaute der Höllenfürst in die Richtung, aus der das Krachen immer noch zu vernehmen war. Da sah er das falmmende Schwert des heiligen Michael, das mit drohender Geschwindigkeit auf ihn zukam. Die Stelle, an der das Schwert sich in die Erde bohrte, heißt bis heute "Michelsbenden". In aller Eile floh der Teufel ohne sein verwerfliches Vorhaben ausgeführt zu haben. Sein erster Sprung ging über das gesamte Oberdorf bis auf den Weg in die Kuhtrift. Dort wo er auftrat ist heute noch in einem Sandstein der Abdruck des Pferdefußes, die "Düvelstratsch" (eine geologische Bildung) zu sehen.

 

Der Erzengel aber verfolgte den Satan. Der jagte mit aller nur möglichen Schnelligkteit auf Hausen zu, ins Rurtal, folgte den Windungen bis eine Viertelstunde oberhalb von Heimbach und bog nach links ab in das kleine Tal des Steinbachs. Hier verbarg er sich im Gebüsch und glaubte der Strafe des göttlichen Engels entronnen zu sein. Seine vermeintliche Sicherheit währte jedoch nur wenige Augenblicke, da hatte in St. Michael eingeholt. Sein Flammenschwert sauste mit solcher Gewalt auf ihn hernieder, dass er viele Tode gestorben wäre, wenn er überhaupt sterben konnte. - Niemals kam der Teufel wieder um sich an der Vlattener Kapelle zu vergreifen.